Nachtschicht – Rund um den Paternkofel, Tag 4

Auf sanften Pfoten habe ich mich ihnen angenähert – den großen Dreien. Dem Wahrzeichen Südtirols, dem Weltnaturerbe, den Drei Zinnen. 

Ich habe sie nun schon einige Male gesehen. Aber ich bin mir sicher, auch heute wird es wieder sehr besonders sein.

Als Krönung habe ich mir für heute etwas Neues ausgedacht. Ich werde eine Nacht an den Drei Zinnen verbringen, um genauer zu sein, in der Dreizinnenhütte. Aber bis dahin liegt noch ein langer Wandertag vor mir. 

Ich möchte heute rund um den Paternkofel wandern. Eine Tour, die hier zu meinen Lieblingswanderungen gehört. Früh am Mittwochmorgen, gegen halb 8 Uhr, starte ich per Bus über Toblach bis hoch zur Auronzohütte. 

Gemeinsam mit Unmengen anderer Menschen, ganz gleich ob Wanderer, Bergsteiger oder Flip-Flop Tourist, ziehen wir wie ein Lindwurm unterhalb der Zinnen Südwände dahin.

Das Wetter ist großartig. Nur ein paar wenige Wölkchen haben sich am Himmel verlaufen. Es ist frisch, um nicht zu sagen kalt. Bereits an der Kapelle trennt sich die Spreu vom Weizen. Die ersten Kinder quengeln, andere legen bereits eine Pause sein, wieder andere Wanderer sind bereits enteilt.

Auf der Südseite zeigen sich die Zinnen wesentlich zerklüfteter als von der Nord-Seite. Sie sind so nicht weniger beeindruckend. Ich erreiche die Lavaredo Hütte und wandere direkt weiter. Immer weniger Menschen folgen mir nun noch.

In den Wänden sind einige Seilschaften zu sehen. Sie schaffen erst den Massstabsbezug und verdeutlichen, wie riesig diese Wände sind.

Hinter der Lavaredo Hütte geht es noch ein Stück bergauf, bevor es dann in das Pian di Cengia durch eine Scharte hinab geht. Ab hier wird es plötzlich still und einsam. Bloß ein Wanderpaar begleitet mich hinab – allerdings nur bis der Herr des Hauses sich mit seinem Wunsch durchsetzt direkt zu den Drei Zinnen zu wandern.

Im Hintergrund ist bereits der weitere Wegverlauf gut sichtbar. Es ergeben sich immer wieder schöne Ausblicke und überraschende Landschaftsbilder.

Wie viele Wege in den Sextner Dolomiten sind auch diese hier als Pionierstraße während des 1. Weltkrieges entstanden. Auf dieser Hochebene befand sich während des Krieges die Sammelfläche der Italiener. 

Man mag sich kaum vorstellen, wie die Menschen währen des sinnlosen Dolomitenkrieges gelitten haben. Sommer wie Winter haben sie hier oben verbringen müssen. Man schätzt, dass etwa 10.000 Soldaten alleine Lawinen, der Kälte und dem Hungertod zum Opfer gefallen sind. 

Am kleinen See Lago di Cengia lege ich eine Pause ein. Immer wieder ziehen kleinere Gruppen Wanderer vorbei. Dennoch ist es erholsam ruhig, die Temperatur ist angenehm.

Nun geht es in mehreren Schleifen hoch in Richtung Büllelejoch. 

Hier sind noch deutlich die Spuren einer ehemaligen italienischen Stellung aus dem 1. Weltkrieg zu erkennen. Über eine kleine Geländestufe geht es nun abermals steil bergauf.

Gewaltig drängt sich nun der  2.698 m hohe Einser in den Vordergrund. 
Das Büllelejoch ist erreicht. Hier bietet sich ein phänomenaler Ausblick auf die Seite des Einsers aber im Besonderen auch in Richtung Altensteinertal.

Bevor ich hier heruntersteige unternehme ich nich einen Abstecher zur Büllelejochhütte. Sie liegt eingerahmt zwischen Felsen wie in einem Adlernest. Bezaubernd klein und ursprünglich. Ich war schon dort als einziger Gast im Herbst, aber auch als einer unter hunderten anderer Wanderer. 
Heute ist nicht so extrem viel los, sodass ich hier eine kleine Pause bei einem Strudel und einer Apfelschorle einlege.

Es geht auf dem alten Kriegssteig wieder zurück. Das Büllelejoch wieder erreicht steige ich nun hinab auf die Bödenalpe.

Der Abstieg auf dem Schuttkarr ist nicht ganz ohne und reichlich anstrengend.

Unterhalb des Paternkofels wird nun fast eben dessen langgezogener Schuttsockel gequert. 

Ich kann nun zum ersten Mal die Dreizinnenhütte sehen. Es get noch einen gemeinen Anstieg nach oben, bis ich nun endlich die Hütte und natürlich die Drei Zinnen erreicht habe.

Ich checke zunächst ein Mal ein. Es ist meine erste Nacht auf einer Berghütte. Ich bin gespannt auf das „Massenlager“ und die Nacht.

Ich bringe zunächst mein Rucksack weg und begutachte den Schlafrau. Er ist sehr eng und ich bin froh ein unteres Bett im Metallstockbett bekommen zu haben. 
Ich bin gespannt!

Ich hatte übrigens noch nie von einer Toilette einen solch grandiosen Ausblick.

Die Hütte macht einen sehr gemütlichen und rustikalen Eindruck. Überall hängen tolle alte Fotos der Helden der Drei Zinnen. Es ist noch reichlich Zeit bis zum Abendessen, sodass ich draußen auf der Terrasse die Aussicht genießen kann. Die Turnschuhtouristen verlassen langsam die Hütte in Richtung des letzten Busses ins Tal.

Dafür trudeln immer mehr Bergsteiger, Kletterer und Wanderer ein. Die Hütte wird heute reichlich voll sein – ausgebucht!


Es ist Essenszeit. Wenn all die Menschen nur halb so großen Hunger wie ich haben, wird das eine echte Raubtierfütterung.

Drei Menüs gibt es zur Auswahl. Alles klingt gut. Der Service ist etwas mit dem Ansturm überfordert. Ich warte auf das dreigängige Menue recht lange. Das Essen ist aber spitze und eine für diese Gegend typische österreichisch/italienische Mischung.

Faszinierend ist die bunte Mischung an Menschen hier oben. Deutsche, Franzosen, Italiener, Holländer, Österreicher, Japaner, Amerikaner, Spanier… nur einige der Sprachen, die ich meine vernommen zu haben. 

Nach dem Essen, welches dann doch gute zwei Stunden gedauert hat, setze ich mich nach draußen auf die Terrasse und warte auf den Sonnenuntergang.

Langsam verfärben sich die Zinnen und die umliegenden Gipfel. Ein atemberaubendes Schauspiel!

Dieser Tag endet somit magisch. 

Bereits um 22 Uhr ist Nachtruhe im Haus. Um leichter in den Schlaf zu finden trinke ich noch 2-3 Biere. Dann schleiche ich mich mit meiner Stirnlampe bewaffnet in den Schlafraum, zwänge mich in den obligatorischen Hüttenschlafsack und lege mich schlafen.

Gemeinsam mit den 15 übrigen Bergbegeisterten in diesem Raum versuche ich Schlaf zu finden. 

Gute Nacht!

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