Eine zweite Chance – vom Helm zum Kreuzbergpass, Tag 7

Die Wetteraussichten für heute, Samstag, sind ausgezeichnet. Gerne würde ich mein Vorhaben vom ersten Wandertag zu Ende bringen – zum Einen war an diesem Tag die Sicht so schlecht, dass das schönste dieser Tour nicht zur Geltung kam, zum Anderen habe ich die Runde auch noch etwas unfreiwillig abgekürzt. 

Also auf, zum Helm!

Wie bereits am ersten Tag geht es wieder mit der Helmbahn hinauf bis zur Helmbahn Bergstation. Von dort wiederum vorbei an der Hahnspielhütte zum Fuße des Helmgipfels auf 2.433 m Höhe.

Das Wetter ist doch bis jetzt längst nicht so gut wie vorhergesagt. Wird mir der Karnische Kamm wieder ein Schnippchen schlagen? 

Von Westen her zieht langsam ein dicker Wolkenteppich herein.

Ich lasse mich nicht beirren und steige auf zum Helmplateau.

Der Wolkenteppich liegt zum Glück recht hoch, sodass die Sicht trotzdem brilliant ist. Kein Vergleich zum letzten Mal hier oben. Bis weit hinein ins Fischleintal reicht der Blick im Süden, im Westen ins Pustertal und im Norden bis zum Großglockner.

Es scheint, als würden sich die Wolken tatsächlich langsam auflösen. Gespannt laufe ich nach einer längeren Pause auf dem Helm den Kamm Richtung Silianer Hütte entlang.

Ich erreiche die Silianer Hütte und gönne mir zunächst eine kurze Pause bei einem Kaffee und einem Strudel.

Das Wetter wird langsam immer besser, sodass ich mich nur kurz aufhalte.

Gut gestärkt geht es nun weiter in Richtung Hornischegg. Den Gipfel auf 2.550 m Höhe lasse ich allerdings links liegen und wandere weiter.

Der Weg wird nun etwas „rauher“. Ich kann mich an solche Schwierigkeiten gar nicht erinnern. Eine kurze Hangquerung ist für Menschen mit Problemen hinsichtlich Höhe schon eine echte Herausforderung. Mir kommt ein Paar entgegen, die lieber umgekehrt sind. Ein schmaler Pfad, kaum dass zwei Füße daraufpassen, auch noch abfallend, etwa 30-40 m über dem Abgrund – nein, das brauche ich nicht noch öfters. Ich murmel vor mich hin „Alles nur Kopfsache. Alles nur Psychologie“ und komme unbeschadet herüber.


Schon bald wird der Weg wieder lieblicher. 

Ein weit und breit einsames Schäflein mit seinem noch ganz kleinen Lämmchen läuft mir über den Weg. Ob die beide ihre Herde verloren haben oder einfach ausgebüchst sind?

Ich erreiche das Hochgräntenjoch mit Hochgränten See und dem Kriegerfriedhof. Ja, auch hier oben tobte der 1. Weltkrieg. Hier und dort nimmt man Granatenlöcher, Schützengräben und verfallene Unterstände war.

Hier könnte ich weiter auf dem Karnischen Höhenweg zum Obstanzersee und der Obstanzerseehütte wandern. Das wären dann allerdings eine noch etwa 2-3 Stunden weitere Wanderung ohne unterwegs absteigen zu können. 

So verlasse ich hier den Kamm in Richtung Süden.


Über eine breite und weite Almfläche, den Blick immer wieder auf die Sextner Dolomiten gerichtet, geht es nun sanft hinab.

Mein nächstes Ziel ist nun die Alpe Nemes. Langsam verändert sich die Landschaft wieder. Zur Zeit blühen die Alpenrosen,  die eine frisches Rot auf die Wiesen zaubern.


Langsam zeigen sich die ersten Spuren der Zivilisation. Auf einer Weide grasen Kühe ubd Pferde friedlich nebeneinander. 

Die Vegetation wird nun wieder üpiger, die Bäume nehmen zu.

Ich bin froh, als nun die Alpe Nemes auftaucht. Mein Schritt wird schneller – ich freue mich auf eine Einkehr.


Die Lager der Alpe Nemes ist sensationell, die Küche exzellent. Ich entscheide mich für ein typisches österreichisch-italienische Gericht: Spinatknödel mit Gorgonzolasoße und Krautsalat – dazu eine hausgemachte Holunderschorle. 

Nur ungerne verabschiede ich mich von diesem friedlichen Ort, doch ich habe noch gut eine 3/4 stündige Wanderung zum Kreuzbergpass vor mir. 

Weiter abwärts geht es nun, durch eine streng geschützte Almlandschaft.


Hier brennt die Sonne ziemlich heftig hinein. Ich bin froh, als ich den Kreuzbergpass mit seiner Bushaltestelle erreiche – genau mit dem letzten Tropfen aus meinem Trinkbeutel im Rucksack.

Ein traumhafter Wandertag geht zu Ende. Ich bin sehr froh den zweiten Anlauf unternommen zu haben. 

Nach 26 Wanderkilometern bin ich reichlich erschöpft – starte aber schon meine Pläne für den nächsten Tag. 

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