Grauen und Schönheit – Monte Piana/Monte Piano, Tag 8

Gestern habe ich eine reichlich heftige Tour hinter mich gebracht. Heute ist es an der Zeit mal etwas kürzer zu treten. In meinem Zimmer liegen bleiben kommt aber bei diesem tollen Wetter natürlich nicht in Frage.

Heute steht der Monte Piana/Monte Piano auf dem Programm. Das Plateau auf 2.324 m Höhe steht frei zwischen Drei Zinnen, Cristallo, Dürrenstein, Sorapis und Hoher Gaisl und bietet einen gigantischen 360 Grad Blick. 

Traurige Berümtheit hat das Plateau allerdings als Schauplatz erbitterter Kämpfe im 1. Weltkrieg erlangt. Dabei lagen sich die Gegner Österreich/Ungarn und Italien zum Teil in nur wenigen Metern Entfernung gegenüber. Österreich/Ungarn auf der Nordseite, Italien auf dem Hauptgipfel im Süden. Sie durchbohrten und durchpflügten den Berg, sodass noch heute Spuren zu sehen sind – zum Teil wurden Anlagen auch im Laufe der letzten Jahre restauriert.

Etwa 14.000 Soldaten kamen bei den Kämpfen ums Leben.

Glücklicherweise verkehrt auf den Gipfel ein Shuttle-Service, sodass meinem Vorhaben heute etwas kürzer zu treten nichts im Wege stehen sollte. Ich fahre also mit dem Bus bis zum Misurina See. Etwas oberhalb ist die Station der Geländewagen, mit denen die gehfaulen Touristen in einer etwa 15 Minuten langen Fahrt auf den Gipfel gebracht werden.

Die Fahrt mit dem robusten Defender über die extrem kurven- und aussichtsreiche Piste ist recht spannend und spektakulär. So ein Auto hätte ich auch gerne! Wenn ein Auto ein Freund sein kann, dann wohl dieses.

Am Rifugio Angelo Bosi angekommen besuche ich zunächst die kleine Kapelle, in der der Opfer der Kämpfe gedacht wird.

Etwas bergauf wird es heute schon auch gehen, so ist es ja nicht. So wandere ich den Pfad hinter der Kappele aufwärts. Schon zu Beginn sind die Spuren des Krieges kaum zu übersehen. Die Kämme der Schützengräben sind mit den schönsten Almblümchen überzogen. Ob dies für die Opfer ein Trost wäre, wüssten sie um diesen Umstand?

 

Ich biege vom eigentlichen Rundweg ab und durchquere einen der Schützengräben. 

Kaum vorstellbar, dass dort, wo Familien heute ihr Picknick genießen, Kinder in Granatenlöchern und Schützengräben Verstecken spielen, vor gut 100 Jahren so viele junge Männer ihr Leben lassen mussten. 

Damals, so habe ich gelesene, war es wegen des Dauerfeuers über Wochen nicht möglich Verletzte oder Gefallene zwischen den Fronten zu bergen. Um den bestialischen Gestank zu vertreiben sprühte man vergeblich Desinfektionsmittel.

Ich wandere weiter über die Hochfläche des Monte Piana. Die Aussicht auf die umliegenden  Dolomitenriesen ist phänomenal.

Es geht leicht auf und ab, ohne große Anstrengung. Ich hab den Monte Piana nun fast längs überquert und treffe hier auf Maschinengewehr und Minenwerferstellungen.

Über einen schmalen Hals setze ich auf die Nordseite über, auf den von den Österreichern gehaltenen Monte Piano. Auch hier treffe ich auf schwere Befestigungen und Unterstände. Man hat hier sogar versucht sich zu untergraben und Stollen in den Berg getrieben. Dabei hat man sich offenbar sogar gekreuzt.

An der Nordspitze des Monte Piano mache ich eine kleine Pause, denke über das Gesehene nach und bewundere den Blick auf die Drei Zinnen.

Nun ist es Zeit wieder den Rückmarsch anzutreten. Gerade rechtzeitig, denn von der Cristallogruppw her ziehen verdächtig dunkle Wolken heran.

Gerade rechtzeitig bin ich zurück an meinem Ausgangspunkt und fahre mit dem Shuttle Service auch wieder herunter. Unten angekommen bekomme ich noch ein paar wenige Tropfen ab, bevor ich den Bus zurück nach Toblach erwische.

Ein gemütlicher aber gewiss kein bequemer Wandertag geht zu Ende. 

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